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80 % der Bakterienbiomasse auf der Erde liegt in Form von Biofilmen vor
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Bild von Louise Salt, IFR

Auch bei Mikroben macht es eben die Masse. In der Natur leben die meisten Bakterien nicht als freischwebende Zellen, sondern sind in komplexen Gemeinschaften organisiert, den so genannten Biofilmen1.

Biofilme sind Gruppen von an eine Oberfläche gebundenen Mikroorganismen. Sie bilden eine schützende extrazelluläre Matrix, die 85 % der Biofilm-Biomasse ausmachen kann. Die Eigenschaften von Bakterien in einem Biofilm unterscheiden sich stark von jenen freischwebender oder planktonischer Bakterien.

Biofilme können hochkomplexe Ökosysteme darstellen, die Zell-Zell-Kommunikationssysteme (Quorum sensing) entwickeln. In der Medizin gewinnen Biofilme immer mehr an Bedeutung. Bakterien in einem Biofilm sind 10-1.000 Mal resistenter gegen Antibiotika als planktonische Bakterien, und 60-80 % der mikrobiellen Infektionen werden durch Bakterien in Biofilmen ausgelöst.

Beispiele für positive oder negative Biofilme sind der Zahnbelag, die Darmflora, Biofouling an Schiffsrümpfen, in Trinkwasserleitungen, ölhaltiges Futter usw.
In der Futtermittelindustrie enthalten die Rohrleitungen und der Tank einer Flüssigfütterungsanlage für Schweine sowie jede Oberfläche der Betriebsgebäude auch Biofilme, die eine potenzielle Gefahr für die Tiergesundheit darstellen können, wenn sie nicht kontrolliert werden.

1Watnick P, Kolter R. Biofilm, City of Microbes. Journal of Bacteriology. 2000;182(10):2675- 2679.