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Die Modulation der Darmmikrobiota kann helfen, das Wohlbefinden von Haustieren zu steigern

Dr. med. vet. Francesca Susca, Pet Development Manager bei Lallemand Animal Nutrition, hat während des Nordic Pet Food Seminars am 10. Oktober 2017 in Kopenhagen einen Vortrag mit dem Titel: „Steigerung des Wohlbefindens von Haustieren durch die Modulation der Darmmikroflora: Der Darm als zweites Gehirn?“ gehalten.  Auf der Grundlage einer umfassenden wissenschaftlichen Studie über zusammenspielende Faktoren für das Wohlbefinden von Haustieren und Menschen war dies eine Gelegenheit, den Zusammenhang zwischen der Darmmikrobiota und speziellen Herausforderungen bei Hunden und Katzen darzustellen. Insbesondere ging es dabei um Themen, die über die Darmgesundheit hinausgehen, wie etwa Fettleibigkeit, atopische Dermatitis oder Unruhezustände − mit besonderem Augenmerk auf die Darm-Hirn-Achse. Dr. Susca kam in ihrem Vortrag zu der Schlussfolgerung, dass „die Formung der intestinalen Mikrobiota durch Supplementierung mit speziell ausgewählten und entwickelten funktionellen Inhaltsstoffen ein Weg sein könnte, die allgemeine Gesundheit von Haustieren zu optimieren und folglich deren Wohlbefinden zu verbessern“.

Wie kann man Wohlbefinden von Hunden und Katzen definieren?

Heute werden Haustiere als Familienmitglieder wahrgenommen und sie kämpfen in ihrem Lebenszyklus mit den gleichen Herausforderungen wie ihre Besitzer. Genau wie beim Menschen steigt auch die Lebensdauer der Vierbeiner und Gesundheit im Alter wird immer wichtiger. Wie können Tierhalter und Tierärzte Wohlbefinden definieren? Im Nutztierbereich gibt es vier Kriterien, anhand derer das Wohlbefinden bewertet wird: gute Fütterung, gute Unterbringung, gute Gesundheit und angemessenes Verhalten. Diese Kriterien können auch bei der Definition von Wohlbefinden bei Haustieren angewendet werden. Francesca Susca definierte es als: „den Status physischer und mentaler Gesundheit und Zufriedenheit als Ergebnis von überwiegend angenehmen Empfindungen.” Einige Kernkriterien wie „das Fehlen von Krankheiten” und ein „positiv emotionaler Zustand” können mit Darmgesundheit und der Darmmikrobiota in Verbindung gebracht und durch die Ernährung beeinflusst werden.

Die Mikrobiota: ein entscheidender Faktor

Der Verdauungstrakt von Hunden und Katzen beherbergt eine komplexe Gemeinschaft von Mikroorganismen, die Darmmikrobiota, die eine entscheidende Rolle für den gesundheitlichen Zustand des Tieres spielt. Aktuelle Entwicklungen im Bereich der Sequenzierungstechnik, wie etwa die OMICS-Revolution, haben unser Verständnis der Mikrobiota und ihrer Funktionen erheblich erweitert.

Das komplexe Zusammenspiel zwischen der Mikrobiota, dem Immunsystem des Wirts und der Genetik beeinflusst das Gleichgewicht zwischen Gesundheit und Erkrankungen. Erbanlagen, Alter, Umfeld, Antibiotika und Ernährung sind einige Faktoren, die nachgewiesenermaßen die Mikrobiota beeinflussen. Zum Beispiel konnte an Hunden gezeigt werden, dass schon eine relativ kleine Menge an Ballaststoffen die Struktur der Darmmikrobiota nachweisbar verändern konnte. In ähnlicher Weise haben funktionelle Inhaltsstoffe wie Präbiotika und Probiotika – deren Effekt auf die Mikrobiota in anderen Spezies sehr gut dokumentiert ist – auch Auswirkungen auf die Mikrobiota von Haustieren gezeigt, beispielsweise in einer Studie über den Einsatz der Lebendhefe S. cerevisiae var. boulardii zur Prävention von Antibiotika-assoziierten Durchfällen bei Hunden. Es gibt noch nicht viele Studien über den Einsatz von Probiotika bei Haustieren, aber die große Menge an Literatur über die Wirkungsweise vieler probiotischer Stämme und die positiven Effekte auf Menschen und andere Säugetiere sind gute Indikatoren für ihr Potenzial im Haustierbereich. Man kann daher erwarten, dass es in Zukunft mehr Studien in diesem Bereich geben wird.

Es ist bekannt, dass einige Störungen des Gastrointestinaltrakts, sowohl akute als auch chronische, mit einer veränderten Darmmikrobiota zusammenhängen. Inzwischen wird zunehmend dokumentiert, dass Störungen jenseits des Gastrointestinaltraktes, wie etwa Fettleibigkeit, atopische Dermatitis oder Störungen des zentralen Nervensystems, auch mit Veränderungen der Mikrobiota in Verbindung gebracht werden können. In diesem Zusammenhang könnten funktionelle Inhaltsstoffe, von denen bekannt ist, dass sie die Mikrobiota-Zusammensetzung beeinflussen, alternative Ansätze darstellen, um diese Probleme anzugehen.

Das zweite Gehirn: Kontrolle des Wohlbefindens

Die Darm-Hirn-Achse: Dies ist sicherlich eines der neuesten und vielversprechendsten Forschungsgebiete zu Mikrobiota und Probiotika. 2013 prägte das Team von John Cryan den Begriff „Psychobiotika”, um die Idee zu beschreiben und diese neue Klasse der Probiotika zu definieren als einen „lebenden Organismus, der, wenn er in adäquaten Mengen eingenommen wird, einen gesundheitlichen Vorteil für Patienten schafft, die unter psychischen Erkrankungen leiden.”. Schätzungsweise 29 % der Hunde zeigen Anzeichen von Angstzuständen (wahrscheinlich eine grobe Unterschätzung) und bis zu 70 % der Verhaltensstörungen von Hunden sind auf eine Form von Angst zurückzuführen. Bei diesen Zahlen macht der psychobiotische Ansatz für ein verbessertes Wohlbefinden durchaus Sinn.

Die entscheidende Rolle der Mikrobiota in der Darm-Hirn-Kommunikationsachse wurde nun ebenso nachgewiesen wie ihre Rolle im Zusammenhang mit Angstverhalten bei Menschen und Nagern. Das Potenzial von Probiotika, diese Darm-Hirn-Achse zu beeinflussen, ist ein wachsender Forschungsbereich. Eine erste Studie an Mäusen wurde bereits 2006 veröffentlicht. Einige Jahre später zeigten die ersten Studien am Menschen, dass ein probiotisches Präparat sowohl die physiologischen als auch die psychischen Symptome von chronischem Stress effektiv lindern kann (Diop et al., 2008; Messaoudi et al., 2010). Bis heute haben mehr als 50 veröffentlichte Studien den Zusammenhang zwischen der Supplementierung von Probiotika und der Darm-Hirn-Achse untersucht, darunter mindestens 17 klinische Studien im Humanbereich.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie mit Hunden zeigte, dass 90 % der Hunde, die das Probiotikum B. longum erhielten, von Tag zu Tag eine zunehmende Verbesserung ihres Angstverhaltens zeigten, etwa durch reduziertes Bellen, Springen und weniger unruhigem Herumlaufen, verglichen mit einer Placebo-Kontrollgruppe. Zusätzlich zeigten 80 % der Tiere eine reduzierte Herzfrequenz und einen Anstieg der Herzfrequenz-Variabilität, was auf einen verbesserten Umgang mit ihren Angstgefühlen hindeutet. Diese Vorabstudie zeigte einen sehr positiven Effekt sowohl auf Verhaltensanzeichen als auch körperliche Anzeichen von Ängsten bei Hunden. Alle diese Studien bereiten den Weg für neue holistische Ansätze für ein gesteigertes Wohlbefinden von Haustieren durch die Modulation der Darmmikrobiota.

Für weitere Informationen über das Portfolio von Lallemand für Haustiere, schreiben Sie uns über animalgermany@lallemand.com.